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Clubsessel – entspannte Gemütlichkeit

Jeder kennt die Chesterfield-Clubsessel und Sofas aus England, zeitlos schöne handgefertigte und an antiken Vorbildern orientierte Möbel mit tiefgezogener Knopfheftung. Solche Sessel entstammen Zeiten, als sich englische Männer der gehobenen Klasse in Clubs trafen. Diese Sessel sind meist groß und dunkel und sind Symbole für Männlichkeit. Heute stehen diese Clubsessel nicht nur in Clubs, sondern seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auch in Cafés oder Lounges oder im eigenen Wohnzimmer.

Was ist ein Clubsessel?

Damit bezeichnet man im Vergleich zu den Cocktailsesseln durchweg bequeme und langlebige Sessel des höheren Preissegments. Sie sind meist mit Rindsleder bezogen, haben niedrige Rückenlehnen, hohe Armauflagen und sind voluminös gepolstert. Typisch sind die Clubsessel aus England, Frankreich und Belgien. Inzwischen gibt es  neben den Clubsessel aus Leder auch Sessel aus Velour und anderen Stoffen.

Clubsessel laden zur Entspannung förmlich ein. Sie vereinen Komfort und Eleganz mit Wohlbehagen. Bauweise und Form haben sich den geänderten Schönheitsidealen angepasst, es gibt jedoch immer noch die klassische zeitlose Form. Es gibt inzwischen Clubsessel in allen Preisklassen und für jeden Geldbeutel, der Preis steigt jedoch schnell, wenn der Sessel handgefertigt ist.

Das Grundgerüst eines Clubsessels und –sofas wird durch einen Holzrahmen gebildet, häufig aus Hartholz wie Eiche und Buche. Es gibt sie aber auch aus Weichholz wie zum Beispiel Tanne und Fichte. Der Gestellrahmen wird auf der Unterseite mit Jutegurten über Kreuz gespannt und bildet somit das Grundgerüst für den Polsteraufbau.

Seit Beginn werden Doppelkegel- und Taillenfedern verwendet um eine bestimmte Polsterhöhe zu erreichen. Dieser Polsteraufbau wird mit Federleinwand bespannt. Darauf kommt das Formpolster – auch Fasson genannt. Als Polsterfüllstoffe verwendet man pflanzliche Füllstoffe wie Alpengras oder Riedgras.

Der Bezug dieses Klassikers bzw. besteht meist aus naturbelassenem offenporigem Leder vom Rind oder Schaf, das nachträglich erst durch Handarbeit in der gewünschten Farbe patiniert wird.  Dieses Leder altert nur langsam und bleibt immer elegant. Sogar kleinere Flecken oder Risse wirken nicht als Makel.

Auf dem Sitz wird ein lose aufliegendes Sitzkissen platziert, das Feder-gefüllt ist.

Die klassischen Farben sind dunkle Braun- oder Rottöne, klassische Cognac-Farben, in seltenen Fällen auch schwarz.

Geschichte der Clubsessel

Engländer, Franzosen und Belgier streiten sich  um die Urheberschaft des Clubsessels. Die Engländer beanspruchen das Privileg, dass einer von ihnen den ersten der Geschichte in Auftrag gegeben hat. Phillip Stanhope, der 4. Earl of Chesterfield ließ sich angeblich Anfang des 18. Jahrhunderts dieses bequeme Möbelstück fertigen.

Inzwischen zählt man Clubsessel zu den Möbeln der klassischen Art Déco. Darunter versteht man in den 20er bis 40er des 20. Jahrhunderts die Verbindung von Form-Eleganz, kostbaren Materialien, starken Farben und sinnlicher Thematik. Art Déco wollte sich damit von vorherigen Stilrichtungen, vor allem vom Jugendstil absetzen.

Wie im Namen schon ausgedrückt wird, wurden Clubsessel anfangs in privaten Herrenclubs, den sogenannten Gentlemen`s Clubs, verwendet. Dort trafen sich wohlhabende und mächtige Männer zum gepflegten Essen, um intellektuelle Gespräche zu führen und über Wirtschaft, Politik und Philosophie zu diskutieren. Die Clubs waren ab Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Mitglieder ein zweites Zuhause. In die mit dunklem Holz ausgekleideten und mit großen Kaminen ausgestatteten Clubräume passten diese großen Möbel ausgezeichnet hinein.

Inzwischen sind fast hundert Jahre vergangen, die ursprüngliche Form des Clubsessels hat sich erhalten, es sind aber auch im Laufe der Jahrzehnte andere leichtere Formen, z.B. Cocktailsessel, an seine Stelle getreten. Seit den 1930er Jahren hat der Clubsessel seinen Siegeszug aus den Clubs in die Wohnzimmer oder privaten Herrenzimmer und Büros angetreten. Auch in Hotel-Lounges fand der Clubsessel seinen Einzug. Dieses klassische Möbel hat seine ursprüngliche Identität nie aufgegeben, obwohl er sich den verschiedensten Modetrends immer wieder angepasst hat. Sein Vintage Style passt zur Wohnungseinrichtung jeglicher Geschmacksrichtung.

Trotzdem machte der klassische Clubsessel bedingt durch die industrielle Möbelfertigung in den 1950er Jahren fast gänzlich dem Cocktailsessel mit Stoffbezug Platz. Seit einigen Jahrzehnten jedoch erlebt er mit seinen tiefen, abfallenden Sitzflächen aus Lederbezug und seinen hohen Armlehnen ein Comeback. Er wird in eleganten Wohnungs- oder Büroeinrichtungen, in Hotel-Lounges und Firmen-Lounges als einzelnes Möbelstück wegen seines Sitzkomforts mit Tradition geschätzt.

Während der Clubsessel in Frankreich als Alltagsgegenstand betrachtet wird, gilt er in Deutschland im Vergleich zum Cocktailsessel als ein Möbelstück, dass sich nicht jeder leisten kann. Findige Restauratoren importierten zerschlissene Sessel und Sofas aus dem Ausland nach Deutschland und „möbelten“ sie wieder auf. Um die Jahrtausendwende gab es eine riesige Nachfrage, nach solchen Stücken, sodass der Markt bald abgeräumt war. Inzwischen werden Clubsessel und –sofas nach alten Vorlagen nachgebaut, am häufigsten aus deutschem Rindleder mit Zertifikat, also nicht schadstoffbelastet. Das Leder ist offenporig, sodass sich mit der Zeit eine schöne Patina einstellen kann.

Was kostet ein guter Clubsessel?

Ihn gibt es beim Handel schon für kleines Geld. Die preiswertesten Exemplare fangen bei zweistelligen Summen an, erinnern aber eher an Cocktailsessel. Ein  Vintage Echtleder Chesterfield Sessel kommt dann aber schon auf 900.-  bis 1000.- Euro.

Besonders teuer sind Designer-Sessel, für die mehrere tausend Euro bezahlt werden. Bekannte Designer sind

  • Ole Wanscher (1903-1985): Der dänische Architekt und Designer  bevorzugte bei seinen Möbeln eine einfache und doch raffinierte Ästhetik, und seine Neuerfindung klassischer Formen machten in der Nachkriegszeit skandinavisches Design aus.
  • Henry Walter (H.W.) Klein: Ein norwegischer Designer, der in Dänemark Innendesign studiert hat.  Seine Möbel sind typisch für den dänischen Stil der Nachkriegszeit.
  • Arne Norell (1917 – 1971): Ein schwedischer Möbeldesigner, der 1958 die Firma Möbel AB Arne Norell gründete. Sie ist heute unter dem Namen Norell Möbel AB bekannt und zählt noch immer zu den führenden Herstellern für Sitzmöbel in Schweden.
  • Arne Vodder (1926 – 2009): Der dänische Architekt und Designer  eröffnete 1950 zusammen mit dem Architekten Anton Borg sein eigenes Design- und Architekturstudio. Seine Designer-Möbel standen im Weißen Haus bei Jimmy Carter und in Kairo beim Präsidenten Anwar Sadat.
  • Illum Wikkelso (1919 – 1999): Der dänische Designer und Architekt war aktiver Befürworter des skandinavischen Modernismus in der Nachkriegszeit. Seine Entwürfe betonen formale Schlichtheit.
  • Charles und Ray Eames: Das US-amerikanische Ehepaar trug wesentlich zur Entwicklung des amerikanischen Nachkriegsdesign bei. Schon in den 50er Jahren haben die Beiden sich dem Clubsessel angenommen. Sie verpassten ihm mit Lederpolstern in hölzernen Sitzschalen eine moderne Optik .
  • Konstantin Grcic( * 1965): Er ist ein deutscher Industrie-Designer serbischer Abstammung. Er entwirft für zahlreiche Hersteller Möbel und Accessoires. Seine Version eines Clubsessels weißt den typischen Lederbezug auf, verbindet ihn aber mit einer flexiblen Rückenlehne aus Kunststoff. Grcic gilt als einer der einflussreichsten Designer der Gegenwart.

Nicht jede Firma kann gute Clubsessel, Cocktailsessel oder Sofas herstellen. Einige Hersteller haben sich auf diesem Gebiet einen Namen gemacht, vor allem weil Sie mit bekannten Designer zusammengearbeitet haben:

  • De Sede:  Der Firmensitz ist das Schweizer Klingau nahe der deutschen Grenze.1965 begann das Schweizer Unternehmen für die Herstellung von handgemachten mit Leder verkleideten Sitzmöbeln mit internationalen Designern zusammenzuarbeiten. Merkmal für de Sedes Sessel und Sofas sind wuchtige Größenverhältnisse in Kombination mit schlanken Silhouetten.
  • Walter Knoll / Wilhelm Knoll: Im Jahr 1865 eröffnete der Ledermeister Wilhelm Knoll in Stuttgart ein Atelier.  1907 ging die Firma an die Söhne Willy und Walter über. Die Brüder waren mit der Einführung des ersten Clubsessels in Deutschland erfolgreich und konnten Zweigstellen in St. Petersburg und Wien eröffnen. 1925 verließ Walter Knoll das Familienunternehmen und gründete seine eigene Firma Walter Knoll & Co., die Sessel und Sofas aus bunten Stoffen an Stelle von Ledern herstellte. 1985 übernahm Walter Knoll & Co. das Unternehmen Wilhelm Knoll. 1993 kaufte die Firma Rolf Benz die Handelsmarke Walter Knoll.
  • Knoll Inc. / Knoll International: Hans Knolls (1914 – 1955) Familie waren erfolgreiche Möbelhersteller. Er wurde beeinflusst von den Produkten des Deutschen Werkbundes und der Bauhausschule. 1938 gründete Hans Knoll die Hans G. Knoll Furniture Company als Exportfirma für Möbel. Seine Entwürfe können weltweit in Dauerausstellungen gefunden werden. Das Museum of Modern Art in New York hat allein 30 seiner Entwürfe erworben.
  • Cado: Ursprünglich hieß die Firma France & Son und wurde 1948 gegründet. Zwischen 1964 und 1967 wurde der dänische Designer Poul Cadovius Eigentümer. Er setzte Entwürfe von Ole Wanscher, Grete Jalk, Finn Juhl und Arne Vodder um.
  • Artifort: Der Tapezierer und Polsterer Jules Wagemans eröffnete 1890 ein Atelier für maßgeschneiderte Sessel und Sofas in Maastricht.  1927 wurde der Firmenname in Artifort geändert. Die Firma arbeitet mit bekannten Designer zusammen: Theo Ruth, Kho Liang le, Pierre Paulin, Geoffrey Harcourt, Gijs Bakker, Jasper Morrison, René Holten, Patrick Norguet und Khodi Feiz. Möbel von Artifort sind im Museum of Modern Art in New York, im Victoria & Albert Museum in London und im Centre Pompidou in Paris zu finden.

Worauf sollte man beim Kauf eines Clubsessels achten?

Während früher Clubsessel und –sofas hauptsächlich als Einzelanfertigung in Auftrag gegeben wurden, sind sie heute bei namhaften Herstellern in großer Auswahl zu finden. Auch die Formen, Farben und Bezugsmaterialien haben sich enorm erweitert. Selbst kräftige Farben wie Rosa oder Violett sind heute erlaubt.

Es ist also beim Kauf  darauf zu achten, welchen Zweck der Clubsessel erfüllen und wo er zu stehen kommen soll. Wird der Sessel ständig gebraucht? Gibt es in der Wohnung Kinder und Haustiere? Steht er in der Sonne? Wird er in einer Lounge zu stehen kommen? Dementsprechend sollte die Lederart gewählt werden. Jedenfalls sollte auf Qualität geachtet werden, wenn das Möbelstück eine lange Lebensdauer haben soll.

Zu eleganten Einrichtungen passt der Clubsessel am besten. Edle Hölzer und Marmor harmonieren gut mit ihm. Aber auch in modernen Einrichtungen mit klaren Linien kann er als Gegenpol wirken, der dem Raum Gemütlichkeit und Geborgenheit gibt. Er kann mit einem zweiten Sessel, auch mit einem Cocktailsessel, oder mit einem Sofa kombiniert werden, er kann aber auch frei im Raum stehen.

Die Gewährleistung beim Möbelkauf beträgt in Deutschland 2 Jahre, in Norwegen dagegen 5 Jahre. Deshalb ist die Beratung dort intensiver, weil die Möbelhändler spätere Reklamationskosten scheuen.

Was sind die beliebtesten Farben für Clubsessel?

Was den Klassiker angeht, kann seine Farben braune und cognacfarben sein. Schwarz ist ebenfalls eine beliebte Farbe und andere ebenfalls dunkle Töne. Viel mehr Charakter im Vergleich zu industriell gefärbten haben die handgefärbten und handpatinierten Ledersessel.

Inzwischen lassen die Designer ihren Phantasien freien Lauf und man findet Clubsessel und Sofas mit Bezügen aus Stoff wie Flachgewebe oder Velours in vielen ausgefallenen Farben.

Grundsätzlich sind dunklere Farben bei Ledermöbeln pflegeleichter als helle Farben. Auf hellen Oberflächen sind Veränderungen deutlich sichtbarer und pflegeintensiver. Wegen voraussichtlicher Abfärbungen von Textilien auf hellem Leder sollte man hier besonders vorsichtig sein.

Wie reinige ich einen Clubsessel?

Fettflecken und andere Flecken sind bei Ledersesseln und –sofas eher unproblematisch. Leder saugt Flüssigkeiten nicht sofort auf. Auch Ausbleichungen sind bei Ledermöbeln selten, denn die Farbschichten auf dem Leder schützen in der Regel davor. Es gilt generell: Je dicker die Farbschicht auf dem Leder, umso unempfindlicher sind sie gegen Fettflecken und Ausbleichungen. Offenporige Anilin- und Rauleder neigen eher zu Fettflecken im Kontaktbereich.

Das Leder von Sesseln und Sofas sollte von Beginn an mit einer guten Imprägnierung vor Flecken geschützt werden.  Ist das Leder über die Jahre trocken und stumpf geworden, empfiehlt es sich, zusätzlich ein rückfettendes Spray zu benutzen. Um lange Freude an einem guten Ledersessel oder -sofa zu haben, sollte man ihn alle 3 – 6 Monate feucht abwischen.

Sobald Flecken und andere Probleme auftreten, sollte sofort eine Fachfirma zu Rate gezogen werden. Je länger man wartet, desto schwierig wird die Reinigung.

Vintage Leder bekommen eher als andere Lederarten eine Patina. Es gehört zum Charakter dieser Lederart, dass Veränderungen erwünscht sind.

Was ist der Unterschied zwischen einem Clubsessel und einem Cocktailsessel?

Zwei Sesselformen wurden mit der Zeit besonders populär: Der Clubsessel im Art Déco und der Cocktailsessel in den 1950er Jahren.

Heute sind die Bezeichnungen “Clubsessel” und “Cocktailsessel” fließend, oft werden sie synonym verwendet. Trotzdem sollte man die Unterschiede zwischen Clubsessel und Cocktailsessel festhalten:

Der Cocktailsessel ist gepolstert, hat eine halbhohe und halbrunde Lehne, die durchgehend als Rücken- und Armlehne dient. Die Sitzfläche des Cocktailsessels ist halbrund und verjüngt sich zur Rückenlehne hin. Die Beine des Cocktailsessels sind meist aus Holz und zierlich. Es gibt inzwischen auch eckige Cocktailsessel und Cocktailsessel mit durchgehender Lehne, die auch als Beine dient.

Der Clubsessel ist im Gegensatz zum Cocktailsessel ein klobiger, großer Ledersessel, wobei heute immer mehr Kunstleder verwendet wird. Charakteristisch sind der klassische Polsteraufbau und das lose Sitzkissen.

Vor- und Nachteile eines Clubsessels

Vorteile

  • Elegantes Möbelstück
  • Passt zu edlen Hölzern und Marmor
  • Möbelstück mit Tradition
  • Langlebig
  • Bequem
  • Unempfindlich
  • Zur Entspannung
  • Gibt einem Raum Gemütlichkeit und Geborgenheit

 

Nachteile

  • Nicht für kleine Räume geeignet
  • Meist hochpreisig